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Zahl des Monats Oktober 2020 – Erhöhte Arbeitsintensität

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„Sportliche“ Abgabefristen, Zeitdruck an Montagearbeitsplätzen oder das Miterledigen von Aufgaben nach Personalkürzungen – eine erhöhte Arbeitsintensität in Betrieben oder Verwaltungen kann viele Gesichter haben. Fast jede bzw. jeder sechste Beschäftigte (16 Prozent) gibt an,
häufig an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit zu arbeiten1. Dauern solche Arbeitssituationen an, können sie die körperliche und seelische Gesundheit der Beschäftigten beinträchtigen. Gute Arbeitsgestaltung wirkt dem entgegen.

Ein längerfristiges Ungleichgewicht von Arbeitsmenge, geforderter Qualität und verfügbarer Zeit kann:

  • zu einer Verringerung der Erholungsfähigkeit, des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit der Beschäftigten führen.
  • Krankheiten begünstigen, z. B. des Muskel-Skelett-Systems und der Psyche.
  • die Wahrscheinlichkeit von Arbeitsunfällen erhöhen.

Es ist deshalb wichtig, dass die Verantwortlichen für Sicherheit und Gesundheitsschutz Hinweise auf erhöhte Arbeitsintensität in ihrem Betrieb aufmerksam beobachten und rechtzeitig gegensteuern.

Arbeitsintensität beschreibt das Verhältnis von geforderter Arbeitsleistung und Zeit. Bei einer zu hohen Arbeitsintensität reicht die den Beschäftigten zur Verfügung stehende Zeit nicht aus, um die geforderte Arbeitsmenge zu schaffen oder Arbeitsergebnisse in der notwendigen Qualität zu erbringen. Das kann sowohl Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten als auch für die Qualität der betrieblichen Produkte und Leistungen haben.

Belastungen durch hohe Arbeitsintensität erfolgreich entgegenwirken

Ein erster Schritt, um die Arbeitsgestaltung im eigenen Betrieb zu verbessern, besteht in der genauen Beobachtung von Arbeitsintensität an verschiedenen Arbeitsplätzen. Hohe Arbeitsintensität ist in allen Berufsfeldern verbreitet. Gleichzeitig wirken unterschiedliche Teilaspekte wie Multitasking, Termin- bzw. Leistungsdruck, Arbeitsunterbrechungen, hohes Arbeitstempo oder Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit an Arbeitsplätzen oft in typischer Weise zusammen. Das zeigt eine Studie mit Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung.

Die betriebliche Gefährdungsbeurteilung ist ein wichtiges Mittel, um gesundheitlichen Gefährdungen durch zu hohe Arbeitsintensität vorzubeugen. Belastungen am Arbeitsplatz werden ermittelt und dokumentiert und mögliche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Beschäftigten abgeleitet. Besondere Vorsicht ist z. B. geboten, wenn Beschäftigte unter Zeitdruck zudem noch mit unfallträchtigen Arbeitsmitteln hantieren oder Gefahrstoffen ausgesetzt sind.

Da hohe Arbeitsintensität häufig an Schnittstellen zu Kundinnen bzw. Kunden oder durch schlecht geplante Abläufe auftritt, sind in der Gefährdungsbeurteilung Arbeitsprozesse und Arbeitszeitmodelle ganzheitlich zu betrachten. Eine gute Zusammenarbeit zwischen den Fachkräften für Arbeitssicherheit, Betriebsärztinnen/-ärzten sowie Personalvertretungen, z. B. im Rahmen des Arbeitsschutzausschusses, hilft dabei.

Beschäftigte einbinden

Am besten kennen den Arbeitsalltag die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie wissen meist nicht nur wo Belastungen auftreten, sondern haben auch Ideen, wie sich Arbeitsbedingungen gesünder und sicherer gestalten lassen. Einen Ansatz, um Ursachen hoher Arbeitsintensität gemeinsam auf die Spur zu kommen und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln, bietet die Methode der moderierten Gruppendiskussion.

Für einen guten Umgang mit hohen Arbeitsanforderungen sollten die Beschäftigten über eine fundierte Gesundheitskompetenz verfügen. Dazu gehört, dass sie wissen, wie sie gesund arbeiten und wo sie bei Fragen zu Arbeitsschutz und Arbeitsgestaltung Informationen und Hilfe erhalten. Einen Überblick über die wichtigsten Ansprechpersonen im Betrieb gibt es in den Arbeitsschutz FAQ des LIA.nrw und in der mehrsprachigen Broschüre „Arbeitsschutz in Deutschland – das Wichtigste im Überblick.“.

1 M. Lück, L. Hünefeld, S. Brenscheidt, M. Bödefeld, A. Hünefeld: Grundauswertung der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018. 2. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2019, S. 38.

Weitere fachliche Informationen (kostenpflichtig bestellbar)

  • Goedicke, A., Beerheide, E., Seiler, K. (2020). Was ist heute noch ein Tagewerk? Hohe Arbeitsintensität und Arbeitsschutz. In: WSI-Mitteilungen, Jg. 73, Heft 1, S. 55-62.
  • Aich, E. (2020). Arbeitsintensität in der Gefährdungsbeurteilung. In: WSI-Mitteilungen, Jg. 73, Heft 1, S. 71-75.