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Zahl des Monats Mai 2021 – Menschen mit Behinderung

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Bei etwa zwölf Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die an der Beschäftigtenbefragung NRW teilnahmen, liegt eine durch einen amtlichen Bescheid festgestellte Behinderung vor. Bei mehr als der Hälfte davon handelt es sich um eine Schwerbehinderung. Abhängig von der Betriebsgröße sind Betriebe verpflichtet, eine bestimmte Anzahl von Menschen mit Schwerbehinderung zu beschäftigen sonst müssen sie eine entsprechende Ausgleichsabgabe zahlen. Doch wie inklusiv ist die Arbeitswelt in Nordrhein-Westfalen tatsächlich?

Die Beschäftigtenbefragung NRW zeigt, dass sich Beschäftigte mit Behinderungen oder Schwerbehinderungen den Anforderungen an ihre fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten im ähnlichen Umfang gewachsen fühlen wie ihre Kolleginnen und Kollegen ohne Behinderung. Ein Großteil der Befragten erhält zudem Unterstützung von den Kolleginnen und Kollegen, wenn diese benötigt wird. Beschäftigte mit Behinderung oder Schwerbehinderung geben allerdings seltener als andere Beschäftigte an, dass sie durch ihre Führungskraft in ihrer beruflichen Entwicklung gefördert werden. Im Durchschnitt erleben Beschäftigte mit Behinderung oder Schwerbehinderung viele Arbeitsbelastungen als beanspruchender als Arbeitnehmende ohne Behinderung. Doch fernab der eventuellen Herausforderungen, gilt es die Potenziale und Fähigkeiten aller Beschäftigten – mit oder ohne Behinderung –  auszuschöpfen und von der Diversität der Belegschaft zu profitieren.

Das Projekt BEMpsy fördert die Arbeitsfähigkeit und Inklusion schwerbehinderter und psychisch erkrankter Menschen am Arbeitsleben durch die Verbesserung des betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) mithilfe digitaler Tools.

Gute Organisation macht vieles möglich

Arbeitgebende dürfen Beschäftigte mit Behinderung oder Schwerbehinderung nicht wegen dieser benachteiligen. Schwerbehinderte Menschen haben darüber hinaus gegenüber ihrer Arbeitgeberin oder ihrem Arbeitgeber einen Anspruch auf eine Beschäftigung, bei der sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse möglichst voll ausschöpfen und weiterentwickeln können. Hilfreich ist hierbei eine gut organisierte Arbeitsgestaltung im Betrieb. Beispielsweise können die Arbeitsstätte behinderungsgerecht eingerichtet, technische Arbeitshilfen zur Verfügung gestellt sowie die Arbeitszeit angepasst werden. Sind Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, müssen  Betriebe ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten. Das gilt zum Beispiel auch bei chronischen Erkrankungen.

Nicht nur Beschäftigte mit Behinderung oder Schwerbehinderung profitieren von Präventionsmaßnahmen im Betrieb. Gesundheitliche Beeinträchtigungen können so bei allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vermieden werden. Zum Beispiel kann mit präventiv wirkender alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung dem demografischen Wandel im Betrieb gegengesteuert werden. Auch bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) sollte auf unterschiedliche Bedürfnisse Rücksicht genommen werden.

Insgesamt muss die Diversität der Belegschaften bei der Arbeitsgestaltung vorausschauend mitgedacht werden, um ein gleichberechtigtes Miteinander und den langfristigen Erhalt der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit aller zu erhalten und zu fördern.

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