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Zahl des Monats Juni 2021 – Chronisch erkrankte Erwerbstätige

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Etwa jede bzw. jeder dritte Erwerbstätige in Deutschland ist chronisch krank.1 Das betrifft nicht nur Beschäftigte, die kurz vor der Rente stehen, sondern auch Jüngere.

Chronische Erkrankungen sind vielfältig: von Multiple Sklerose über HIV, Rheuma oder psychischen Erkrankungen. Sie alle haben sehr unterschiedliche Krankheitsbilder und Verläufe. Längere Phasen von Arbeitsunfähigkeit entstehen insbesondere im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems.

Das ist auch ein wichtiges Thema für Betriebe, denn viele Menschen mit einer chronischen Erkrankung sind weiter erwerbstätig. Sie bemühen sich aktiv darum, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten. Die Teilhabe am Arbeitsleben dient nicht nur ihrer Existenzsicherung. Sie ist auch identitätsbildend und bedeutsam für soziale Kontakte, Wissenserwerb und Selbstwertgefühl. Auch Betriebe profitieren von diesen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Sie sind oft Fachkräfte mit viel Erfahrung.

Trotzdem scheiden Menschen mit chronischer Erkrankung oft vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze (aktuell zwischen 65 und 67 Jahren) aus dem Erwerbsleben. Das liegt nicht nur an erkrankungsbedingten Einschränkungen, die sich häufig durch gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung und bedarfsgerechte  Präventionsangebote verhindern oder abschwächen lassen. Vorurteile, Diskriminierung und fehlende Unterstützung,erhöhen die Gefahr, dass Betroffene ihre Erwerbstätigkeit frühzeitig beenden. 

Um die Arbeitssituation und Beschäftigungsfähigkeit chronisch erkrankter Menschen zu verbessern, ist das LIA.nrw aktuell an mehreren Projekten beteiligt, welche der Stigmatisierung chronischer Erkrankungen entgegenwirken und Potentiale der Arbeitsgestaltung ausloten:

Im Rahmen des Projekts Offensive Psychische Gesundheit ging es bei der Online-Veranstaltung des LIA.nrw „Let´s talk about Psyche“ am 23. Juni 2021, um Ansätze für einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz. Die Beiträge der Veranstaltung können unter www.lia.nrw/letstalkaboutpsyche angesehen werden.

 1Statistisches Bundesamt (2018) Fachserie 15, Reihe 3, S. 42

Knieps, F., & Pfaff, H. (2020). BKK-Gesundheitsreport. Mobilität–Arbeit–Gesundheit: Zahlen, Daten, Fakten.  – Seite 85: Diagramm 1.1.9 Arbeitsunfähigkeit – AU-Tage je Fall der beschäftigten Mitglieder nach ausgewählten Diagnosehauptgruppen (Berichtsjahr 2019)