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Arbeitsgestaltung im digitalen
Zeitalter - Projekt BalanceGuard
gestartet

Während der Zugfahrt nach Hause wird „noch schnell“ die Präsentation für das morgige Meeting auf Laptop oder Tablet vorbereitet… Nur ein Beispiel dafür, dass Arbeit mobiler und flexibler wird. Zudem ist mehr Organisation gefordert, um Privatleben und Familie, nicht selten die Pflege und Betreuung von Angehörigen, und den Job unter einen Hut zu bringen. Die Erholung kommt so oft zu kurz. Es ist daher wichtig, die Arbeitsschutzinstrumente noch weiter an die Herausforderungen von Flexibilisierung und Digitalisierung anzupassen - genau darum geht es im Projekt BalanceGuard.

Vor allem psychische Belastungen wie Termin- und Leistungsdruck, Multitasking und daraus resultierende Beeinträchtigungen der Gesundheit haben in vielen Branchen zugenommen. Dies zeigt die aktuelle Beschäftigtenbefragung des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung (LIA.nrw). Neue Instrumente des Arbeitsschutzes dürfen sich nicht mehr nur auf Belegschaften, Abteilungen oder Arbeitsteams als Ganzes  konzentrieren, sondern sollten die Beschäftigten auch individuell in den Blick nehmen. Sie sollten gefragt werden: „Was belastet Sie konkret?“ Im kürzlich gestarteten Projektverbund BalanceGuard wird deshalb ein Assistenzsystem entwickelt und erprobt, das individuelle aber auch betriebliche Präventionsstrategien unterstützen soll.

Dabei funktioniert BalanceGuard wie eine Art Beschäftigten-Tagebuch und kann als Lern- und Selbsterkundungstool eingesetzt werden, erklärt Emanuel Beerheide vom LIA.nrw: „Moderne, subjektivierte Arbeitsformen fordern den Beschäftigten immer mehr ab. Arbeitsverdichtung und Flexibilitätsansprüche engen die Spielräume für ausreichende Erholung und gesundes Arbeiten ein. Mit dem BalanceGuard wollen wir auf diese Herausforderung reagieren. Er soll es ermöglichen, in kurzen, persönlich definierten Zeitabständen alltägliche Arbeitsbelastungen und ihre Auswirkungen zu dokumentieren. In den Auswertungen können neben Verläufen dieser Parameter auch Beziehungen zwischen ihnen beobachtet werden. Mit dieser Möglichkeit, arbeitsweltbezogenen Ursache-Wirkungszusammenhängen nachzugehen, unterscheidet sich die Anwendung fundamental von anderen Selbstbeobachtungstools, die derzeit auf dem Markt sind.“

Entwickelt wird ein Tool, in dem die/der teilnehmende Beschäftigte sofort ein Feedback nach der Eingabe der Daten erhält. Die Werte können dann zum Beispiel mit denen der vorherigen Woche verglichen werden. Zusätzlich werden der Nutzerin oder dem Nutzer persönlich angepasste Tipps, Coaching- und Trainingsmöglichkeiten angezeigt, so Beerheide: „Dabei ist uns wichtig, Beschäftigte in ihrem Selbstmanagement in Bezug auf Belastungen und die eigenen Ressourcen zu stärken. Allerdings darf dies nicht zu zusätzlichen Belastungen durch übermäßige Selbstoptimierung führen. Vielmehr müssen Beschäftigte in die Lage zu versetzt werden, Arbeitsbedingungen in ihren Unternehmen und Teams mitzugestalten. Für einen erfolgreichen Einsatz des BalanceGuard in Unternehmen sind daher alle betrieblichen Akteure einzubinden.“

Geplant ist, dass die Anwendung auch auf bereits vorhandene Angebote und etablierte Strukturen innerhalb des Unternehmens verweist, beispielsweise auf Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, Betriebsärztinnen und Betriebsärzte oder ein Employee Assistance Programm (EAP). BalanceGuard wird im engen Austausch mit Beschäftigten und betrieblichen Interessensvertretern entwickelt. Die erfassten Daten werden in erster Linie für die individuelle Beratung der teilnehmenden Beschäftigten genutzt. In einem weiteren Schritt ist eine Nutzung von anonymisierten Teildatensätzen zur Entwicklung von betrieblichen Präventionsmaßnahmen (Betriebliches Gesundheitsmanagement), zur betrieblichen Organisations- und Personalentwicklung oder zu wissenschaftlichen Zwecken möglich. Im Unterschied zu üblichen Mitarbeiterbefragungen werden Informationen über einen längeren Zeitraum erfasst. Beispielsweise wird sich feststellen lassen, ob es bezüglich der Belastungen/Beanspruchungen der Beschäftigten Monats- oder Wochenpeaks für Stress innerhalb des Betriebes gibt.

Im Projekt BalanceGuard arbeitet ein interdisziplinäres Team zusammen. Beteiligt sind neben dem Landesinstitut für Arbeitsgestaltung Nordrhein-Westfalen (LIA.nrw) als Verbundkoordinator, die Stock Informatik GmbH & Co. KG (Fröndenberg) und die gaus gmbh –  medien bildung politikberatung (Dortmund) als Entwicklungspartner. Die Anwendung wird im Caritasverband Hannover e.V. (Hannover) und in der Manpower GmbH & Co. KG Personaldienstleistungen (Eschborn) getestet. Die Praxispartner sind in den sozialen Dienstleistungen und in der Zeitarbeit verankert. Das Projekt wird bis 2019 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunkts "Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen“ gefördert.

 Projekt BalanceGuard