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Zahl des Monats Januar 2019 - Durchschnittliche Wochenarbeitszeit

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35 Stunden2 pro Woche – so lange arbeiten1 Erwerbstätige in Voll- und Teilzeitbeschäftigung im Durchschnitt in Deutschland pro Woche. Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union aus dem Jahr 2017. Im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedsstaaten liegt Deutschland damit im unteren Viertel. Nur in Dänemark und in den Niederlanden ist die wöchentliche Arbeitszeit noch geringer. Spitzenreiter ist Griechenland mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 42 Stunden2 pro Woche; der Durchschnitt aller EU-Mitgliedsstaaten liegt bei 37 Stunden2 pro Woche.

Wieso gibt es diese Unterschiede? In Deutschland  arbeiten 28 %2 in Teilzeit6, in den Niederlanden sogar jede bzw. jederZweite2. Der EU-Durchschnitt liegt allerdings nur bei 20 %2. Griechenland liegt mit 10 %2 deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Schlusslicht bildet Bulgarien mit einem Wert von nur 2 %2. Demnach ist der hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigten in Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden für den Unterschied in der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit innerhalb der EU mit verantwortlich.

Jede bzw. jeder vierte Teilzeitbeschäftigte in der EU findet keine Vollzeittätigkeit. Der Hauptgrund für die Ausübung einer Teilzeitbeschäftigung in der EU ist mit 24 %2,5, dass keine Vollzeitbeschäftigung gefunden werden kann. An zweiter Stelle findet sich mit 20%2,5 die Betreuung von Kindern und erwerbsunfähigen Erwachsenen. In Deutschland wird die Betreuung am häufigsten genannt (24 %2,5). Im Durchschnitt arbeiten Teilzeitbeschäftigte in der EU 20 Stunden2 pro Woche. Der höchste Wert findet sich in Belgien mit 26 Stunden2 pro Woche. In Portugal liegt die durchschnittliche Arbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte bei nur 17 Stunden2 pro Woche. Deutschland findet sich mit 19 Stunden2 pro Woche im unteren Drittel.

Die Gestaltung der Arbeitszeit ist in Deutschland sowie in anderen EU-Ländern gesetzlich vorgegeben. Die Rahmenbedingungen werden durch die EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/EG)  festgelegt:

  • Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist auf 48 Stunden begrenzt.
  • Jedem Arbeitnehmer und jeder Arbeitnehmerin steht eine Mindestruhezeit von elf zusammenhängenden Stunden je 24-Stunden-Zeitraum zu.
  • Bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden muss eine Ruhepause gewährt werden.
  • In einem Zeitraum von sieben Tagen ist neben der Mindestruhezeit von elf Stunden ein freier Tag vorgesehen.
  • Ein bezahlter Mindesturlaub von vier Wochen muss gewährt werden.
  • Besondere Schutzmaßnahmen für die Nachtarbeit müssen getroffen werden.
  • Sowie Richtlinien für Beschäftigte in bestimmten Branchen (z.B. Ärztinnen und Ärzte in der Ausbildung, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Offshore-Anlagen oder an Bord von Fischereifahrzeugen und vieles mehr) beachtet werden.

Stunden der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland liegen im EU-Durchschnitt

Im Vergleich zur Teilzeitbeschäftigung, liegt die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in der EU bei 41 Stunden2 pro Woche. Insgesamt zeigt sich seit 2011 ein leichter Abwärtstrend der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit in fast allen Ländern der EU. Deutschland liegt mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41 Stunden2 im EU-Durchschnitt. In Dänemark arbeiten Beschäftigte mit einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 39 Stunden2 pro Woche am wenigsten und Griechenland ist mit 44 Stunden2 pro Woche Spitzenreiter.

Mehr zum Thema:

Nordrhein-Westfalen ist mit 17,7 Millionen Einwohnern Einwohnern3 das bevölkerungsreichste Bundesland in Deutschland. Hier arbeiten 8.658.900 Beschäftigte2, davon gehen 2.481.5002 einer Teilzeitbeschäftigung nach. Mit einem Wert von  691.5187 hatte Nordrhein-Westfalen im Jahr 2017 den höchsten Anteil am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland. Die durchschnittliche geleistete Wochenarbeitszeit liegt bei 35 Stunden2 in der Haupttätigkeit und somit unter dem EU-Durchschnitt. Allerdings ist auch hier der Anteil der Teilzeitbeschäftigten von 29 %2 an allen Beschäftigten zu berücksichtigen. Die Beschäftigtenbefragung NRW 2016 des LIA.nrw zeigte, dass Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt 4 Stunden4 pro Woche mehr als vertraglich vereinbart arbeiten und 58% der Beschäftigten4 würden ihre Arbeitszeiten gerne verkürzen. 39 % der Beschäftigten4,5 in Teilzeit haben als Grund für die Teilzeitbeschäftigung die Betreuung von Kindern und Jugendlichen angegeben.

Die Arbeitskräfteerhebung (AKE) der Europäischen Union wird in 28 Mitgliedsstaaten der EU, 2 EU-Beitrittskandidaten-Ländern und 3 Ländern der Europäischen Freihandelszone durchgeführt. Dies geschieht im Rahmen der Verordnung des Rates (EEG) NR.577798 vom 9. März 1998.

Die AKE wird vierteljährlich erhoben und ist eine umfassende Haushaltsstichprobenerhebung, die Ergebnisse von Personen ab 15 Jahren zur Beteiligung am Arbeitsmarkt sowie zu Personen, die nicht zu Arbeitskräften zählen, liefert.


1 Bedeutet in diesem Fall einschließlich regelmäßiger Mehrstunden und Bereitschaftszeiten

2 Datenquelle: Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union 2017, Datenhalter: Eurostat;
berücksichtigt wurden Beschäftigte ab einem Alter von 15 und mehr Jahren; Daten gerundet; abgerufen am 31.08.2018

3 Datenquelle: Mikrozensus 2017, Datenhalter: IT.nrw, abgerufen am 19.12.2018

4 Beschäftigtenbefragung NRW 2016, LIA.nrw, Daten gewichtet und gerundet, N=2003

5 Mehrfachnennungen möglich

6 Die Unterscheidung zwischen Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigung erfolgt anhand der Einschätzung der Befragten, da es keine einheitliche Definition zu Teilzeitbeschäftigten in der EU gibt.

7 Volkswirtschaftkiche Gesamtrechnung der Länder, abgerufen am 21.12.2018