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Zahl des Monats Mai 2019 - Verkürzte Ruhezeiten

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Jeder Mensch benötigt nach der Arbeit Zeit, um auf andere Gedanken zu kommen. Freizeit ist aber nicht gleich Ruhezeit1: Ruhezeit ist der Zeitraum zwischen dem Ende der täglichen Arbeitszeit und der Wiederaufnahme der Tätigkeit. Die Beschäftigtenbefragung NRW 20182 zeigt: Jede bzw. jeder Dritte abhängig Beschäftigte ist bei der Arbeit verkürzten Ruhezeiten nach Feierabend oder am Wochenende ausgesetzt. Das empfindet jede bzw. jeder Zweite von ihnen als Beanspruchung.3

Frauen haben zwar seltener verkürzte Ruhezeiten nach Feierabend oder am Wochenende, die mit der Arbeit zusammenhängen als Männer (28  Prozent vs. 40 Prozent). Aber wenn Frauen eine Verkürzung der Ruhezeiten erleben, dann sagen drei von vier Frauen, dass sie sich dadurch beansprucht fühlen. Von den Männern geben dies „nur“ zwei von drei an. 44 Prozent der beanspruchten weiblichen Beschäftigten arbeiten in Teilzeit, aber nur 5 Prozent der beanspruchten Männer.

Die beanspruchten Frauen schätzen ihren aktuellen Gesundheitszustand4 sowie ihre aktuelle5 und zukünftige Arbeitsfähigkeit6 meist geringer ein als Frauen, die sich nicht durch die verkürzte Ruhezeit beansprucht fühlen. Aber auch die beanspruchten Männer bewerten ihren aktuellen Gesundheitszustand7 und ihre zukünftige Arbeitsfähigkeit8 häufig geringer als nicht beanspruchte Männer – ihre aktuelle Arbeitsfähigkeit allerdings eher gleich9. Wenn sie verkürzte Ruhezeiten nach Feierabend oder am Wochenende erleben, geben Frauen also häufiger an, dass sie dadurch stärker strapaziert sind als Männer.

Anteil weiterer Beanspruchungen außerhalb der Arbeitszeit

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Neben der Arbeit haben die meisten Beschäftigten noch weitere private Verpflichtungen. Gut die Hälfte der beanspruchten weiblichen Beschäftigten und etwa ein Drittel der beanspruchten männlichen Beschäftigten geben die Betreuung von Kindern, Jugendlichen oder Pflegebedürftigen als zusätzliche Verpflichtung an.

Zeit mit der Familie zu verbringen, kann eine entlastende Ressource und Erholungsquelle sein. Allerdings bleibt durch Sorgearbeit (also das Sorgen und Kümmern um Angehörige) oft weniger Zeit für die eigene Erholung. Sich ausruhen und nichts tun, können dann zu kurz kommen. Wenn Ruhezeiten nach Feierabend und am Wochenende zusätzlich durch die Arbeit verkürzt werden, fehlt Zeit, die bewusst zur Regeneration genutzt werden könnte bzw. sollte, sodass die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten – insbesondere von Frauen – gefährdet sind.

Tipps und Techniken zur Erholung und stressfreien Arbeitszeitgestaltung:

KomNet Frage-Antwort-Dialoge zum Thema Ruhezeit

[1] DAK-Gesundheit (28.01.2019). Psychische Erkrankungen: Rückgang bei Ausfalltagen. [Pressemeldung].

[2] Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Gesunder Rücken. Abgerufen am 07.02.2019.

[3] Beschäftigtenbefragung LIA.nrw, N = 2.003; abhängig Beschäftigte ab 16 Jahren, die in NRW wohnen und arbeiten. In der Befragung aus dem Jahr 2016 wurden insgesamt 36 Belastungsaspekte abgefragt; Erfassung auf einer 4-stufigen Skala „Sagen Sie zu jedem einzelnen Punkt, ob er Sie bei der Arbeit gar nicht, etwas, ziemlich, oder stark belastet.“ Für die Auswertung wurden die Abstufungen „etwas“, „ziemlich“ und „stark“ in „belastet“ zusammengefasst.

[4] (Odds Ratio = 2.35)

[5] (Odds Ratio = 5.98)

[6] (Odds Ratio = 2.76)

[7] (Odds Ratio = 1.61)

[8] (Odds Ratio = 1.96)

[9] (Odds Ratio = 1.05)


Odds Ratio

Das Odds Ratio (OR) auch Chancenverhältnis genannt ist das Verhältnis zweier Chancen und ist ursprünglich ein Begriff aus der Epidemiologie. Der Begriff der Chance ist umgangssprachlich im deutschen Sprachraum vor allem im Zusammenhang mit Glücksspielen bekannt. So spricht man beispielsweise bei einem Münzwurf von einer 1:1 Chance, da das Ereignis Kopf mit der gleichen Wahrscheinlichkeit eintritt, wie das Ereignis Zahl. Beim Werfen eines Würfels hat man bei sechs Möglichkeiten eine Chance von 1:5 die gewünschte Augenzahl zu erhalten. Das Odds Ratio ist nun der Vergleich von Chancen in zwei verschiedenen Gruppen. Dabei ist es als ein Faktor zu interpretieren, um den die Chance für ein bestimmtes Ereignis steigt, wenn man der einen oder der anderen Gruppe angehört. Bei einem Odds Ratio von 1 gibt es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen, bei einem Wert größer 1 ist die Chance in der ersten Gruppe größer, dass das entsprechende Ereignis eintrifft und bei einem Wert kleiner 1 ist die Chance kleiner. Im vorliegenden Fall berechnen sich die Odds Ratios wie folgt: Unterschieden werden die Gruppe der beanspruchten Frauen und die der nicht beanspruchten Frauen. Von den insgesamt 199 beanspruchten Frauen in der Stichprobe, geben 44 an, dass sie einen geringen Gesundheitszustand haben. Dies entspricht einer Chance von 44:155=0,28. Von den 65 nicht beanspruchten Frauen, berichten 7 von einem geringen Gesundheitszustand – hieraus resultiert eine Chance von 7:58=0,12. Setzt man diese beiden Zahlen in ein Verhältnis zueinander, erhält man das sogenannte Odds Ratio von 0,28:0,12=2,35. Somit gibt es in der Gruppe der beanspruchten Frauen 2,35 mal so viele Frauen die von einem geringeren Gesundheitszustand betroffen sind, als in der Gruppe der nicht Beanspruchten.

Quelle: Kreienbrock, L., Pigeot, I., & Ahrens, W. (2012). Epidemiologische Methoden. Springer-Verlag.