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1349_inkorporationsgefährdete_Personen-01
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Zahl des Monats September 2017 - Inkorporation

1.349

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 1.349 Personen auf die Aufnahme und Speicherung von radioaktiven Stoffen im Körper (Inkorporation) überwacht. Bei 59 der überwachten Personen wurden Inkorporationen nachgewiesen.

Durch Inhalation (Einatmen), Ingestion (Schlucken), Injektion (Nuklearmedizinische Behandlung) oder durch die Aufnahme in den Blutkreislauf, z.B. über offene Wunden, können radioaktive Stoffe (Radionuklide) in den Körper gelangen. Dieser Vorgang wird als interne Kontamination oder Inkorporation bezeichnet. Die potentielle Gefährdung für eine Inkorporation ist besonders hoch, wenn Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer mit offenen radioaktiven Stoffen arbeiten. Also Stoffen, deren Strahlung nicht oder nur unvollständig durch eine umschließende Hülle abgeschirmt wird (Abs. 2 §3 StrlSchV).

Werden radioaktive Stoffe in den Körper aufgenommen, führen sie bei den Betroffenen zu einer inneren Strahlenexposition. Übersteigt die Strahlen-Dosis im Körper bestimmte Grenzwerte, kann sich das schädlich auf die Gesundheit auswirken und beispielsweise zu Schäden und krankhaften Veränderungen an Organen oder Knochen führen.

Beschäftigte, die berufsbedingt einem höheren Risiko durch Inkorporation mit Folgedosis ausgesetzt sind, werden deshalb regelmäßig auf Inkorporation untersucht. Bei welchen Beschäftigten eine solche Überwachung vorgeschrieben ist, kann in der Strahlenschutzverordnung (§§ 40, 41 StrlSchV) nachgelesen werden. Zur Risikogruppe der möglicherweise exponierten Personen gehören etwa Personen, die im Bereich der Nuklearmedizin mit offenen radioaktiven Stoffen arbeiten oder Menschen, die in der Kerntechnik tätig sind

Personen, bei denen eine Überwachung auf Inkorporation stattgefunden hat (2010 – 2014)

JahrMeldungenÜberwachte PersonenExponierte Personen*
2010

5047

1642138
201146241726141
201237061534103
20134142148968
20143349134956









*Personen mit einer Radionuklid-Dosis größer als 0 (nur durch Inkorporation)

Quelle: Die berufliche Strahlenexposition in Deutschland 2013 - 2014: Bericht des Strahlenschutzregisters

Die Strahlenschutzmessstelle des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung NRW untersucht potentiell durch Inkorporation gefährdete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland. Die Nachweisverfahren für diese Untersuchung variieren nach der Art der Radionuklide. So kann eine Inkorporation durch Gammastrahlung beispielsweise mithilfe einer Ganzkörpermessanlage ermittelt werden. Bei Alpha- und Betastrahlung, die nur eine geringe Strahlungsreichweite von wenigen Zentimetern haben, wird die Strahlenaktivität dagegen anhand des Urins oder anderer Ausscheidungen untersucht.

Radioaktive Stoffe nehmen wegen ihres Gefährdungspotentials eine besondere Stellung im Arbeitsschutz ein. Aus diesem Grund sind sie Thema der LIA.nrw-Jahrestagung 2017. Bei der Veranstaltung ist neben der Inkorporationsüberwachung auch der vermehrte Einsatz von Alpha-Strahlern in der medizinischen Therapie, bei dem schon eine geringe Inkorporation beim Personal zu hohen Strahlendosen führen kann, ein Thema. Ebenfalls im Fokus stehen mögliche innere Expositionen von Beschäftigten beim Rückbau kerntechnischer Anlagen, beim Umgang mit natürlichen radioaktiven Stoffen und in Notfallsituationen.