Bank vor Bergsee auf einer grünenn Wiese
© fottoo - stock.adobe.com

Arbeitsschutz und gesundheit

Seelische Gesundheit

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist seelische Gesundheit der Zustand, in dem eine Person sich so wohl fühlt, dass sie „ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten kann.“ Die seelische Gesundheit wird von Faktoren wie dem sozialen Status, den Lebens- und Arbeitsbedingungen eines Menschen, dem sozialen Umfeld sowie von Umweltfaktoren und individuellen Merkmalen beeinflusst. Diese Faktoren können eine schützende, aber auch eine schädigende Wirkung auf die Gesundheit haben. Neben dem Begriff seelische Gesundheit werden im LIA.nrw auch die Begriffe psychische, geistige und mentale Gesundheit für dieses Thema verwendet.

Seit Jahren steigt die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland kontinuierlich an. 2020 standen psychische Erkrankungen erstmals an zweiter Stelle der Gründe für eine Krankschreibung. Zusätzlich sind über 40 Prozent der Frühverrentungen psychisch bedingt. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig Prävention und Gesundheitsförderung sind, um die seelische Gesundheit von Beschäftigten zu schützen, zu fördern und zu stärken und damit auch ihre Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten.

Was hält Beschäftigte am Arbeitsplatz seelisch gesund?

Wie können es Menschen schaffen, auch unter schweren bzw. belastenden Bedingungen, gesund zu bleiben und ihren persönlichen Anforderungen gerecht zu werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich zum Beispiel das Konzept der Salutogenese. Es beschreibt Gesundheit als einen Gleichgewichtszustand, der aus den Wechselwirkungen zwischen belastenden und schützenden Faktoren entsteht. Die Ressourcen, die dabei helfen, die Gesundheit zu stärken, werden als „Kohärenzsinn“ bezeichnet. Er  setzt sich aus drei Faktoren zusammen: Der Verstehbarkeit, der Bewältigbarkeit und der Sinnhaftigkeit.

Übertragen auf die Arbeitsgestaltung ergeben sich daraus folgende Aspekte, die dabei helfen, die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten:

Beschäftigte erwarten verlässliche und verständliche Informationen. Dazu können eine nachvollziehbare Unternehmenspolitik, Entscheidungstransparenz, klare Kompetenz- und Verantwortungsstrukturen sowie Beteiligungsmöglichkeiten in Entscheidungsprozessen beitragen.

Beschäftigte müssen davon überzeugt sein, dass sie die ihnen übertragenen Aufgaben überhaupt bewältigen können. Um dieses Gefühl zu stärken, gibt es verschiedene  Ressourcen. Dazu gehört z. B. soziale Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetze, gesunde Führung, Anerkennung und Wertschätzung, ebenso wie Möglichkeiten zur Qualifizierung.

Beschäftigte möchten ihre Arbeit als sinnvoll erleben und ihre Ergebnisse als wertvoll erachten. Um die Sinnhaftigkeit der Arbeit bzw. Tätigkeit zu fördern, ist es hilfreich, die Beschäftigten zu beteiligen, Handlungsspielraum und Verantwortung zu übertragen und die Hintergründe und Ziele ihrer Arbeit zu verdeutlichen.

Praxishilfen – Was trägt dazu bei Gesundheitsressourcen zu stärken, um die seelische Gesundheit zu erhalten?

  • Seelisch gesund bleiben in der COVID-19-Pandemie
    Die Auswirkungen der Corona-Pandemie können psychisch sehr belastend sein. Neben den unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen können auch akute Ängste um den Erhalt der eigenen körperlichen Unversehrtheit sowie Gefühle der Einsamkeit auftreten. Sie können zu kurz- sowie langfristigen individuellen, sozialen und wirtschaftlichen Beeinträchtigungen führen. Davon können Menschen in allen Lebensphasen und  aus allen Lebenswelten betroffen sein. Tipps und Anregungen zur Förderung der seelischen, sozialen und körperlichen Gesundheit gibt der LIA.tipp „Pandemie – Psyche stärken in schwierigen Zeiten“.
  • Stress abbauen und Erholung finden
    Arbeitsverdichtung, Zeit- und Termindruck oder die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind nur einige Herausforderungen der modernen Arbeitswelt. Was Beschäftigte im Job und privat tun können, um sich besser zu erholen und öfter mal abzuschalten, erläutert die Broschüre „Richtig erholen – zufriedener arbeiten – gesünder leben. Erholung und Arbeit im Gleichgewicht. Ein Leitfaden für Beschäftigte“ (LIA.praxis 1).
  • Mit Psychischen Erkrankungen offen umgehen
    Viele Menschen spüren im Alltag verstärkt Belastungen und Beanspruchungen. Die Hürde ist jedoch oftmals groß, Hilfe zu holen. An dieser Stelle setzt die Offensive Psychische Gesundheit (OPG) an, die sich für mehr Offenheit im Umgang mit psychischen Belastungen, Stress und Erschöpfung einsetzt. Das LIA.nrw hat das Aktionsjahr der Offensive rund um die psychische Gesundheit begleitet. Die Digitalveranstaltung „Let‘s talk about Psyche“ hat das Ziel der Offensive für Nordrhein-Westfalen aufgegriffen und Anstöße gegeben, wie sich eine Unternehmenskultur hin zu einem offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen verändern kann.

„Ein offenerer Umgang mit psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz gelingt nur, wenn stetig Impulse gesetzt und Betriebe und Beschäftigte für dieses Thema sensibilisiert werden. Vor dem Hintergrund der gesundheitlichen Auswirkungen des Wandels des Arbeit und weiterer arbeitsbedingter und aus anderen Lebenswelten folgender Stressoren, sollte auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz neue Wege gehen und sich mit den vielfältigen Angeboten der betrieblichen Prävention besser vernetzen", so Dr. Kai Seiler, Präsident des LIA.nrw. 

Das LIA.nrw unterstützt dieses Ziel mit unterschiedlichen Aktivitäten:

  • Mit der Einrichtung der Landesinitiative Gesundheitsförderung und Prävention (LGP NRW) sollen lebensweltübergreifende Strukturen und Ansätze auf Landesebene vorangetrieben werden. Eine Lebenswelt, in der Präventionsmaßnahmen Beschäftigte gut erreichen, sind die Betriebe. Hier sind Menschen in ihrer mittleren Lebensphase anzutreffen, die sich in einer besonderen Belastungssituation befinden. Beanspruchungen können zum Beispiel durch Konflikte zwischen Erwerbstätigkeit, familiären Verpflichtungen oder Ehrenämtern entstehen.
  • Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnerinnen und -partnern wirkt das LIA.nrw an der Umsetzung von BEMpsy mit. BEMpsy ist ein aus dem Ausgleichsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördertes Projekt zur Förderung der Arbeitsfähigkeit und Inklusion schwerbehinderter und psychisch erkrankter Menschen am Arbeitsleben. Mithilfe digitaler Tools soll das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) schwerbehinderter Beschäftigter mit (drohender) psychischer Beeinträchtigung verbessert und an die Bedarfe der BEM-berechtigten Mitarbeitenden angepasst werden. Das LIA.nrw setzt sich im Rahmen des Projekts zudem für einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen ein und verknüpft hierzu die Ergebnisse aus dem Digitalformat „Let´s talk about Psyche“ mit den Projektaktivitäten.“ Als Schnittstelle zu den Landesaktivitäten wird das LIA.nrw die Projektergebnisse mit der Landesinitiative Gesundheitsförderung und Prävention verknüpfen.
  • Die MobbingLine NRW ist eine zentrale Anlaufstelle, um Menschen, die am Arbeitsplatz von Mobbing betroffen sind, schnell, anonym und kostenlos zu unterstützen. Mit dem Beratungsnetzwerk wurde ein Angebot geschaffen, um diese Menschen zu ermutigen, den ersten Schritt im Hinblick auf Bewältigung des Mobbingproblems zu tun. Das Angebot wurde 2002 vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales initiiert und wird vom LIA.nrw mitbetreut.