Presse
© svort - Fotolia.com

20.12.2017

sicher ist sicher - Lastenpedelecs

Good Vibrations?

Lastenpedelecs erfreuen sich aufgrund des Kundenwunschs nach einer immer schnelleren Lieferung der bestellten Waren und der Fahrverbotszonen für PKWs in den Innenstädten in der gewerblichen Nutzung einer steigenden Beliebtheit. Zustellerinnen und Zusteller – egal ob Postbotin oder Pizzalieferant - müssen mit ihnen nicht so fest in die Pedale treten und können Kräfte sparen. Mit der Verwendung von Lastenpedelecs werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aber auch Vibrationen ausgesetzt. Werden die gesetzlichen Grenzwerte für Vibrationen beim Fahren überschritten? Sara Schlechter und Martin Nordhaus vom LIA.nrw haben die Ergebnisse des Projekts „Vibrationen an Lastenpedelecs“ in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift sicher ist sicher veröffentlicht.

Zustellerinnen und Zusteller werden zwar beim Fahren mit einem Pedelec von einem Elektromotor unterstützt, müssen aber allgemein mehr Gewicht bewegen, da die Lastenpedelecs deutlich schwerer als Fahrräder ohne Unterstützung sind. Außerdem werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der Verwendung von Lastenpedelecs auch Vibrationen ausgesetzt. Allgemein können durch langandauernde Einwirkung Vibrationen allgemeines Unbehagen auslösen, zur Leistungsminderung führen, die Gesundheit gefährden oder sogar schädigen. In wie weit dies auch auf Lastenpedelecs zutrifft, muss weiter erforscht werden.

Im Projekt „Vibrationen an Lastenpedelecs“ wurde untersucht, ob von den Vibrationen, die durch die Verwendung der Lastenpedelecs auftreten, eine Gesundheitsgefahr anzunehmen ist. Dazu wurde ein Messverfahren entwickelt und erprobt, um repräsentative Belastungen durch Hand-, Arm- und Ganzkörperschwingungen bei der Verwendung dieser Fahrzeuge ermitteln und bewerten zu können. Die Lastenpedelecs wurden auf verschiedenen Strecken – wie beispielsweise Kopfsteinpflaster und Asphalt - mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten getestet. Die Messergebnisse zeigen, dass je leichter die Fahrerin bzw. der Fahrer ist, desto größer ist die Belastung. Auf Kopfsteinpflaster wurden die Grenzwerte schneller erreicht, als beispielsweise auf einer asphaltierten Straße.

Nach dem Arbeitsschutzgesetz ist die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber verpflichtet, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu beurteilen und mithilfe der von den Herstellern angegebenen Vibrationsemissionsdaten entsprechende Einsatzzeiten und -bedingungen festzulegen. Die Vibrationsbelastung am Arbeitsplatz wird im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermittelt. Derzeit sind jedoch keine speziell auf Pedelecs anwendbaren Messvorschriften (z. B. in Typ-C-Normen) zur Ermittlung von Hand-, Arm- und Ganzkörperschwingungen vorhanden.

Beteiligte des Projekts waren neben dem Landesinstitut für Arbeitsgestaltung Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf) die Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekomunikation (Hamburg), die Firma PAConsult GmbH (Hamburg), die Technische Universität Hamburg-Harburg (Hamburg) und die Firma velotech.de GmbH (Schweinfurt).

Weitere Informationen zu diesem und weiteren Projekten des LIA.nrw finden Sie auf unserer Seite Projekte, Kooperationen und Netzwerke. Der Artikel „Vibrationen an Lastenpedelecs, ein unterschätztes Thema?“ kann kostenlos gelesen und heruntergeladen  werden.