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05.03.2021

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Seelische Gesundheit erwerbstätiger Eltern

Viele Eltern sind aktuell zusätzlichen Belastungen ausgesetzt: Neben Homeschooling sind sie Ersatz sozialer Kontakte, die durch fehlende Betreuungsangebote entfallen. Herausforderungen entstehen auch bei den technischen Geräten. Teilweise müssen sie gleichzeitig für Schule und Arbeit genutzt werden. Das erfordert ein höheres Maß an Selbstorganisation als vor der Pandemie. Die Ergebnisse des digitalen Fachgespräch des LIA.nrw belegen jedoch,  dass die Veränderungen durch Corona auch positive Impulse für den Arbeitsalltag von erwerbstätigen Eltern haben können.

Ziel des Fachgesprächs „Seelische Gesundheit erwerbstätiger Eltern“ war die Diskussion aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und Entwicklung praxisnaher Handlungsansätze zur Förderung der seelischen Gesundheit von erwerbstätigen Eltern. Vor der ergebnisorientierten Abschlussdiskussion kamen Prof. Holger Pfaff vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln sowie Leonora Fricker vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf, Düsseldorf und Kreis Mettmann zu Wort.

Im Spannungsfeld: Vereinbarkeit Arbeitsleben und private Verpflichtungen

Prof. Holger Pfaff hob in seinem Impuls hervor, dass bei drei Viertel der erwerbstätigen Eltern die Belastung durch Kinderbetreuung in der Covid-19-Pandemie gestiegen ist. Allgemein ließe sich eine psychische Destabilisierung feststellen, die durch den Verlust freiheitlicher Grundrechte, Ängste um Angehörige und physischen Abstand bestärkt werde. Mütter machen sich seinen Daten nach zusätzlich Sorgen um die Gesundheit und finanzielle Absicherung und sehen sich mit einer gestiegenen Herausforderung der Vereinbarung von Erwerbs-und Familienarbeit konfrontiert. Prof. Pfaff unterstrich, dass Alleinerziehende im Vergleich zu in Partnerschaft lebenden Eltern statistisch nachweisbar deutlich höheren psychischen Belastungen ausgesetzt sind.

Betriebe profitieren von Familienorientierung

Leonora Fricker betonte in ihrem Vortrag „Beruf und Familie vereinbaren und gesund bleiben“, dass viele Unternehmen die Wirkung von familienorientierten Maßnahmen unterschätzten. Dabei können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber von Maßnahmen wie flexibler Arbeitszeit und Unterstützung bei der Kinderbetreuung genauso profitieren wie die Beschäftigten. Durch die Umsetzung der Angebote kann eine Steigerung der Unternehmensattraktivität für Fachkräfte (Employer Branding) sowie Bindung der Mitarbeitenden erzielt werden. Außerdem kann einer überlastungsbedingten Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit vorgebeugt werden. Das reduziert  vor allem  Krankheitsausfälle und damit natürlich auch Fehlzeiten stark, so Fricker.

Vertrauen ist gut, Akzeptanz ist besser

Diese beiden Impulse boten neben den Erfahrungswerten der Teilnehmenden genug Anknüpfungspunkte  für die abschließende Diskussion. Bei konkreten Maßnahmen wird es nun darum gehen, Selbstorganisations- und Gesundheitskompetenz stärker zu fördern. Angebote zur Selbstorganisation und Stressresilienz sind dabei ebenso hilfreich wie Betriebsvereinbarungen zur flexiblen Arbeitszeit. Arbeitsschutzstrukturen können zusätzlich unterstützen: Die Gefährdungsbeurteilung lässt sich dafür nutzen, psychische Belastungen zu identifizieren und Bedarfe zu ermitteln. Noch wichtiger ist es aber, generelle Akzeptanz im Betrieb zu schaffen. Dafür müssen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie Personalabteilungen und andere betriebliche Akteurinnen und Akteure sensibilisiert werden, damit ein Wissenstransfer an alle Beschäftigten stattfinden kann.

Die Ergebnisse des Fachgesprächs vom 9. Februar 2021 mit über 60 Personen aus Landesministerien und -verwaltungen, Krankenkassen, Renten- und Unfallversicherungsträger, Beratungsstellen, Gewerkschaften, Hochschulen fließen in die weitere Gestaltung der Arbeitsgruppe „Mittlere Lebensphase“ der Landesinitiative Gesundheitsförderung und Prävention ein, an der auch das LIA.nrw beteiligt ist. Die Arbeitsgruppe fokussiert die Stärkung der seelischen Gesundheit im Erwerbsleben mit dem Kernziel des Erhalts von Arbeitsfähigkeit, insbesondere von Alleinerziehenden, Eltern und pflegenden Angehörigen. Sie ist Teil der Landesinitiative Gesundheitsförderung und Prävention unter Federführung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.