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Arbeitsschutz und Gesundheit

Psychische Belastungen

Unter psychischen Belastungen versteht man Einflüsse am Arbeitsplatz, die sich auf das Denken, Fühlen und Verhalten der Beschäftigten auswirken. Die Ursachen psychischer Belastungen sind vielfältig: Personalmangel, schlechte Arbeitsorganisation, ungünstige Arbeitszeiten, ein schlechtes Betriebsklima, Umstrukturierungen, Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes. Viele Aspekte der Arbeit können zur psychischen Belastung werden.

Viele Menschen verbringen nun schon mehrere Tage oder Wochen in Quarantäne oder Isolation. Damit dabei nicht "die Decke auf den Kopf fällt" und man psychisch, sozial und körperlich gesund bleibt, hat Prof. Mühlig von der Technischen Universität Chemnitz zehn Tipps. Er empfiehlt unter anderem einen Tagesrhythmus einzuhalten, Regeln für das Zusammenleben im Haushalt zu finden und soziale Kontakte über Internet und Telefon aufrechtzuerhalten.

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Stress tritt zum Beispiel dann auf, wenn man unter hohem Zeitdruck wichtige Arbeiten erledigen muss und befürchtet, diese nicht schaffen zu können. Die Folgen: Man kann sich schlecht konzentrieren oder "tritt gedanklich auf der Stelle", kann nicht abschalten, ist gereizt und reagiert aufbrausend. Und: Man macht Fehler, die ohne Stress nicht vorkommen würden. Dauerstress führt zur Erschöpfung und wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus.

Die Folgen sind vielfältig und zum Teil tiefgreifend
Die bekanntesten sind: Erschöpfung, Wut und Verärgerung, nicht abschalten können und arbeitsbedingte Depressionen ("Burnout").
Psychische Belastungen können auch körperliche Auswirkungen wie z. B. Rückenleiden, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden zur Folge haben.
Diese gesundheitlichen Auswirkungen sind für viele Beschäftigte ein Problem, die Zahl der Betroffenen nimmt zu.

Gleiche Belastung, unterschiedliche Beanspruchung

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Psychische Belastungen und Beanspruchungen

Belastung umfasst alle Einflüsse, die objektiv auf das Erleben und Verhalten des Menschen einwirken. Belastung ist in der Wissenschaft nicht negativ, sondern neutral: In der Arbeitswelt kann z. B. Zeitdruck oder Verantwortung für das Leben anderer eine Belastung sein. Auf der Abbildung steht das Sofa für die Belastun.

Abhängig von den individuellen Voraussetzungen und verfügbaren Ressourcen können sich Belastungen bei jedem Menschen in Form von unterschiedlichen Beanspruchungen auswirken. Unter Beanspruchungen werden die subjektiven kurzfristigen Folgen der Belastung standen. Die erlebte Beanspruchung ist individuell abhängig von verschiedenen Faktoren wie z. B. persönliche Ressourcen oder dem Handlungsspielraum. Die gleichen Belastungen können daher bei verschiedenen Personen zu unterschiedlicher Beanspruchung führen. Die beiden Frauen auf dem Bild werden wegen ihrer unterschiedlichen Voraussetzung auch unterschiedlich beansprucht.

Stellschraube für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten

Das Zusammenspiel von Stressoren und Ressourcen hat Einfluss auf die Beanspruchung einer Person. Positive Beanspruchung äußert sich z. B. in erhöhter Aufmerksamkeit und Aktiviertheit – negative Beanspruchung in Ermüdung und Gereiztheit. Dauerhaft zu hohe Beanspruchungen führen langfristig zu psychischen und körperlichen Beschwerden und Erkrankungen. Um dem entgegenzuwirken, werden in der Gefährdungsbeurteilung die Gefährdungen, die von Arbeitsbelastungen ausgehen, beurteilt und wenn möglich reduziert.

Besprechungen kreativ nutzen

Die moderierte Gruppendiskussion ist eine strukturierte Methode, bei der eine Moderatorin bzw. ein Moderator anhand von Leitfragen mit den Beschäftigten mögliche arbeitsbedingte Gefährdungen durch psychische Belastungen diskutiert. Thematisch geht es in diesem Handbuch um Arbeits­inhalte bzw. Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation, Soziale Beziehungen und Arbeitsumgebung. Gemeinsam werden dann Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation entwickelt und dokumentiert.

Das LIA.nrw und seine Vorgängereinrichtungen tragen bereits seit zwanzig Jahren dafür Sorge, die psychische Belastung und deren Folgen im Arbeitsschutz zu thematisieren und Praxislösungen zu entwickeln. Dies umfasst z. B. die Entwicklung von Instrumenten zur Unterstützung der Gefährdungsbeurteilung sowie das Aufgreifen psychischer Belastungen im Rahmen landesweiter Schwerpunktaktionen. Das LIA.nrw hat zahlreiche Handlungshilfen und Informationsmaterialien für unterschiedliche Zielgruppen, teilweise in Zusammenarbeit mit Partnern, entwickelt. LIA.transfer 4 "Erkrankungsrisiken durch arbeitsbedingte psychische Belastung" fasst beispielsweise die Zusammenhänge zwischen psychischen Belastungsfaktoren bei der Arbeit und Erkrankungsrisiken zusammen. Gegenwärtig ist das LIA.nrw zudem am INQA-Projekt "Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt" (PsyGA)" beteiligt, in dem es einerseits um die Sensibilisierung von Zielgruppen und die Verbreitung guter Praxisbeispiele und andererseits um die Entwicklung neuer Strategien und Konzepte für kleine Unternehmen geht.

Im Arbeitsprogramm Psyche der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) war das LIA.nrw involviert. Ziel des Programms war es, die betrieblichen Akteure umfassend zu informieren und zu qualifizieren, darunter Unternehmer, Führungskräfte, Personalvertretungen sowie Verantwortliche für den Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Zum Arbeitsprogramm Psyche.

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