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Projekt

BalanceGuard

In der Arbeitswelt sind immer mehr Beschäftigte komplexen Belastungs- und Beanspruchungssituationen ausgesetzt, die hohe Anforderungen an gesundheitsgerechtes Arbeiten und Prävention stellen.

Im Verbundvorhaben BalanceGuard werden ein webbasiertes Assistenzsystem sowie begleitende Informations- und Beratungsangebote entwickelt, optimiert und erprobt. Sie sollen Beschäftigte und Betriebe im Umgang mit Belastungs- und Beanspruchungssituationen unterstützen. BalanceGuard erkundet auf diese Weise das Potential neuer Technologien für das immer wichtiger werdende Zusammenwirken individueller und betrieblicher Präventionsstrategien. Das Assistenzsystem stärkt die Ressourcen von Beschäftigten und Unternehmen für gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung.

Im Projekt BalanceGuard arbeitet ein interdisziplinäres Team von Forschungs- und Praxispartnern zusammen. Beteiligt sind neben dem Landesinstitut für Arbeitsgestaltung Nordrhein-Westfalen als Verbundkoordinator die CGM HSM (Fröndenberg), die DAA Ostwestfalen-Lippe (Bielefeld), der Caritasverband Hannover e.V. (Hannover) und die Manpower GmbH & Co. KG Personaldienstleistungen (Eschborn).

Das Vorhaben wird vom 01. Januar 2016 bis zum 30. April 2019 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunkts "Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen“ gefördert. BalanceGuard wird betreut vom Projektträger Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Bei der Entwicklung und Validierung der Messkonzepte arbeitet das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung mit dem Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Bergischen Universität Wuppertal zusammen.

Meilensteintagung am 26. September 2017 in Koblenz

"Alles in Balance?! - Webbasiertes Monitoring von Stressoren und Ressourcen zur gesunden Gestaltung des Arbeits- und Privatlebens mit BalanceGuard"

Das Projekt BalanceGuard lädt ein zur ersten Meilensteintagung. Das digitale Tool, das im Projekt entwickelt und erprobt wird, ermöglicht Beschäftigten ein selbstgesteuertes Monitoring ihrer Stressfaktoren und Ressourcen sowie der Auswirkungen ihrer psychischen Belastungen im zeitlichen Verlauf.

Das Tool wird ähnlich wie ein Tagebuch genutzt, spiegelt den Nutzerinnen und Nutzern Verläufe und Zusammenhänge unmittelbar zurück und gibt ihnen individuelle Ratschläge. Es soll Beschäftigten helfen, ihr Arbeits- und Privatleben gesundheitsförderlicher zu gestalten und besser mit Stress umzugehen. Darüber hinaus ermöglicht BalanceGuard Unternehmen, Handlungsbedarf hinsichtlich einer gesunden Arbeitsgestaltung im Betrieb zu erkennen. Auf der Tagung wird der Prototyp des digitalen Tools vorgestellt.

Anmeldung und Programm


BalanceGuard auf der Messe A+A
Sie sind herzlich eingeladen, sich auf der A+A-Messe über das Projekt BalanceGuard zu informieren. Am 19. Oktober stellt sich das Projekt zwischen 9:00 Uhr und 13:30 Uhr in Halle 10/E50 vor.

An dem gemeinsamen Stand des BMBF-Förderschwerpunktes „Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen“ präsentieren sich vom 17. bis zum 20. Oktober insgesamt 30 Projekte unter dem Motto „Arbeit 4.0: Präventiv gestalten, kompetent bewältigen!“.

Einladung

Ziel des BMBF-Verbundprojekts BalanceGuard ist die inhaltliche und technische Entwicklung, Optimierung und Erprobung eines Assistenzsystems. Damit werden Beanspruchungen von Beschäftigten ganzheitlich und kontinuierlich erfasst sowie betriebliche und individuelle Ressourcen für gesundes Arbeiten ausgebaut. Das Assistenzsystem ermöglicht Beschäftigten eine wiederholte Selbstaufschreibung ihrer Belastungen, Beanspruchungen und Ressourcen. Es macht Verläufe und Zusammenhänge gesundheitsrelevanter Merkmale der Arbeitssituation sichtbar, spiegelt diese den Anwenderinnen und Anwendern zurück und gibt Handlungsempfehlungen zur Arbeitsgestaltung und Erholung.

Das zunächst für ein individuelles Längsschnittmonitoring ausgelegte Assistenzsystem wird von Beginn an in ein Interventionssetting eingebettet. Das heißt, es werden Leitlinien, Beratungs- und Qualifizierungsangebote entwickelt, die den betrieblichen Einsatz regeln und begleiten, kollektive Lernprozesse anstoßen sowie die Organisations- und Personalentwicklung in den anwendenden Unternehmen unterstützen. So stärkt BalanceGuard durch die Verknüpfung betrieblicher und individueller Präventionsstrategien Arbeitsschutz und Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Aufgrund des Wandels von Beschäftigungsstrukturen, Tätigkeitsinhalten und der Organisation von Arbeit sind viele Beschäftigte mit neuen und kumulativen Belastungs- und Beanspruchungssituationen am Arbeitsplatz konfrontiert. Diese ergeben sich insbesondere durch:

  • vermehrte Erwartungen an Selbstorganisation und unternehmerisches Handeln
  • die Zunahme wissensintensiver Tätigkeiten
  • hohe Arbeitspensen
  • die Ausweitung mobiler und zeitflexibler Arbeitsformen, auch in Stammbelegschaften der Unternehmen
  • „atypische“ Beschäftigungsverhältnisse

Stärker individualisierte Arbeitssituationen als in der Vergangenheit treffen mit veränderten Work-Life-Schnittstellen zusammen. Auch im privaten Bereich sind von Beschäftigten unter neuen Rahmenbedingungen vielfältige Aufgaben zu erfüllen, beispielsweise bei der Pflege von Angehörigen oder der Betreuung von Kindern. Gerade vor dem Hintergrund verlängerter Lebensarbeitszeiten kommt einem gesundheitsgerechten und ressourcenstärkenden Umgang der Beschäftigten mit Arbeitsbelastungen deshalb eine hohe Bedeutung zu. Die Zunahme psychischer Erkrankungen ist ein Indiz dafür, dass dies nicht immer gelingt.

Viele Erwerbstätige nutzen mittlerweile privat Smart-Watches und App-Angebote in den Bereichen Gesundheit, Fitness und Lifestyle. Sie wenden diese jedoch zumeist abgekoppelt von den Institutionen des Arbeitsschutzes und des Betrieblichen Gesundheitsmanagements an, so dass kein direkter Einfluss auf die Gestaltung der Arbeit genommen wird.

Vor diesem Hintergrund wird ein gelingendes Zusammenwirken von (über-)betrieblichem und individuellem Präventionshandeln immer wichtiger. Die Stärkung der Gesundheitskompetenzen von Beschäftigten, betriebliche Arbeitsgestaltung und der Ausbau des betrieblichen Gesundheitsmanagements müssen Hand in Hand gehen. Zudem gilt es, Wissenslücken zu Wirkungszusammenhängen in Belastungs-/Beanspruchungssituationen zu schließen.

BalanceGuard leistet daher Beiträge für:

  • eine mehrdimensionale und stärker personenbezogene Erfassung von Belastungen/Beanspruchungen von Beschäftigten
  • Längsschnittbeobachtungen bzw. die Erfassung von Belastungsverläufen
  • handlungsleitende, effektive Feedbacks an Beschäftigte und Unternehmen zur Arbeitsgestaltung, zur Belastungsreduzierung und zum Ressourcenaufbau
  • die Erweiterung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Dynamik von Beanspruchungs-/Belastungssituationen, zu kumulativen Effekten von Belastungen und Beanspruchungen sowie zu Wirkungszusammenhängen von Ressourcen und Belastungen


Das Assistenzsystem BalanceGuard entsteht in enger Arbeitsteilung der Verbundpartner. Dabei ist die Anwendersicht durch die Einbindung der Praxispartner Caritasverband Hannover e.V. und Manpower GmbH & Co. über die gesamte Projektlaufzeit sichergestellt. Parallel zur Ausarbeitung des Fragekataloges und der Handlungsempfehlungen für die individuellen Anwenderinnen und Anwender wird das technische Basissystem entwickelt. Die rasche Umsetzung eines Funktionsprototyps ermöglicht eine intensive Erprobungsphase und Adaptionen auf verschiedene Nutzeranforderungen. In enger Verknüpfung damit werden Richtlinien, Beratungsangebote und begleitende Services für die Einführung des Assistenzsystems in Unternehmen entwickelt und erprobt. Sie stellen Mindeststandards für den Einsatz von BalanceGuard im betrieblichen Umfeld sicher und sorgen dafür, dass die Anwendung über die Organisations- und Personalentwicklung hinaus auch dem betrieblichen Arbeitsschutzsystem und Gesundheitsmanagement zugute kommt. Die inhaltlichen und technischen Angebote von BalanceGuard durchlaufen während der Projektlaufzeit immer wieder Erprobungs- und Optimierungsschleifen. Diese maximieren die Nutzerfreundlichkeit, Stabilität und Datensicherheit des Systems, ermöglichen eine flexible Anpassung an die Wünsche der Beschäftigten (u.a. bezüglich der Eingabezyklen, erfassten Inhalte und Auswertungen) und stellen so sicher, dass sich BalanceGuard im alltäglichen Einsatz bewährt und als hilfreich angesehen wird.

Vorgehen: Auswertungsebenen BalanceGuard

© LIA.nrw


Die mit dem Assistenzsystem BalanceGuard erfassten Daten können prinzipiell auf drei Ebenen ausgewertet werden: Im Vordergrund steht das Angebot eines individuellen Längsschnittmonitorings von Beanspruchungen, Ressourcen und Merkmalen der Arbeitssituation für Beschäftigte. Die Nutzerinnen und Nutzer von BalanceGuard bekommen Verläufe ausgewählter Indikatoren und einfache Zusammenhänge zurückgespiegelt, die sie in ihrer individuellen Arbeitsgestaltung, ihrem Eintreten für gesundes Arbeiten im Betrieb und ihren Präventionsstrategien unterstützen. Verknüpft werden diese Rückmeldungen mit Handlungsempfehlungen und Verweisen auf Einfluss- und Beratungsmöglichkeiten. Zweitens können, auf freiwilliger Basis und in enger Abstimmung mit den Beschäftigten sowie den betrieblichen Interessenvertretungen und anderen Akteuren, anonymisierte Teilergebnisse des Monitorings anlassbezogen für Betriebe oder betriebliche Abteilungen ausgewertet werden. Solche Auswertungen fördern Prozesse der Personal- und Organisationsentwicklung sowie den Ausbau des Arbeitsschutzes und des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Drittens, schließlich, werden auf Grundlage der anonymisierten Erprobungsdaten Belastungs-/ Beanspruchungssituationen wissenschaftlich weiter untersucht und Wirkungszusammenhänge validiert.


2017

Geighardt-Knollmann, C., Heptner, J., Beerheide, E. (2017): BalanceGuard: Ganzheitliches Beanspruchungsmonitoring als Impuls für gesunde Arbeit. In: Sicher ist sicher, 68. Jg., Heft 01/2017, S. 6-8.

2016

Beerheide, E., Ciesinger, K.-G., Rudolf, R., Schubert, A., Schweickert A. (2016): Gesunde Arbeit durch Beanspruchungsmonitoring – das Verbundprojekt BalanceGuard. In: praeview, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 8-9.

Beerheide, E., Goedicke   A. (2016): Smart Watch, Fitnesstracker & Co. – wo bleibt der Arbeitsschutz? Herausforderungen und Gestaltungschancen. In: praeview, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 10-11.

Ciesinger, K.-G., (2016): Technische Intelligenz plus menschliche Erfahrung: Unterstützung von Betrieben und Beschäftigten bei der Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen. In: praeview - Zeitschrift für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 18-19.

Geighardt-Knollmann, C., Heptner, J. (2016): Das BMBF-Verbundprojekt BalanceGuard: Entwicklung eines Assistenzsystems für gesunde Arbeit. In: Tempora Online, Heft 3/2016, S. 5.

Heptner, J., Goedicke A. (2016): Fehlbelastungen und Ressourcen in der Längsschnittbetrachtung – Chancen für ein besseres Verständnis von gesundheitlichen Auswirkungen der Arbeitssituation. In: praeview, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 12-13.

Rudolf, R. (2016): Individuelles Monitoring durch BalanceGuard als Ergänzung arbeitsmedizinischer Vorsorgesysteme. In: praeview - Zeitschrift für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 14-15.

Schubert, A. (2016): „Belastung erkennen und handeln“: Einführung eines Belastungsmonitorings im Caritasverband Hannover e.V. In: praeview - Zeitschrift für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 22-23.

Schweickert, A. (2016): Gesundheitsmanagement in der Zeitarbeit. In: praeview - Zeitschrift für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 20-21.

Wanders, A. (2016): BalanceGuard als Spiegel: Grundlagen der Erstellung technischer Konzepte zur Unterstützung der Beschäftigten bei der Selbstbeobachtung. In: praeview - Zeitschrift für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 16-17.

2017

Geighardt-Knollmann, C., Heptner, J. (2017): Ganzheitliches Beanspruchungsmonitoring mit BalanceGuard - Ein Beitrag zur Verknüpfung von Verhaltens- und Verhältnisprävention. Vortrag auf dem GfA-Frühjahrskongress 2017, Brugg-Windisch, 15.02.2017.

2016

Beerheide, E. (2016): Das Projekt „BalanceGuard“. Vortrag auf der Leitungskonferenz der Arbeitsschutzverwaltung NRW im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW, Düsseldorf, 11.02.2016.

Beerheide, E., Brandstädter, S., Wanders, A. (2016): E-Health, Apps, Assistenzsysteme: Innovationen für die Gesundheit. Workshop auf der Auftaktveranstaltung des BMBF-Förderschwerpunktes „Arbeit 4.0: Präventiv gestalten, kompetent bewältigen!“, Heidelberg, 30.11.2016.

Goedicke, A. (2016): Ganzheitliches Beanspruchungsmonitoring – Hintergrund, Ziele und Vorgehensweise des Projekts BalanceGuard. Vortrag auf der Auftaktveranstaltung von BalanceGuard „Prävention im digitalen Zeitalter – Gesund arbeiten, gesund leben“, Düsseldorf, 21.06.2016.