29.10.2020
Studie
Führung im krisenbedingten digitalen Wandel
Wie können Führungskräfte die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft ihres Teams trotz der veränderten Situation erhalten? Dieser Frage sind Forschende der Universität Hohenheim in Stuttgart und der Ludwig-Maximilians-Universität München nachgegangen. Das Ergebnis: Führung im krisenbedingten digitalen Wandel sollte beziehungs- und aufgabenorientiert sein sowie Autonomie und Teamzusammenhalt fördern.
Die Forscherinnen und Forscher befragten 206 Mitarbeitende in Dienstleistungsunternehmen (z. B. im Bereich Versicherungen), inwiefern sich das Verhalten der Führungskräfte auf die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Mitarbeiter in einer digitalen Arbeitsumgebung auswirkt. Die Befragung fand im März und April 2020 statt, als viele Beschäftigte während des Lockdowns ins Homeoffice wechselten.
Der Fokus lag auf zwei unterschiedlichen Führungsstilen - dem aufgabenorientierten und dem beziehungsorientierten Stil. Die aufgabenorientierte Führung ist auf das Erreichen von Unternehmenszielen fokussiert. Dabei werden Aufgaben zugeteilt, die Ziele jeder Aufgabe erklärt und die Arbeitsprozesse kontrolliert. Die beziehungsorientierte Führung hingegen konzentriert sich auf eine verbesserte Zusammenarbeit im Team, Eigenverantwortlichkeit, Flexibilität und die Schaffung eines kooperativen und unterstützenden Arbeitsklimas.
Führungskräfte sollten sich nicht für einen der beiden Führungsstile entscheiden, sondern diese miteinander kombinieren. Laut Professorin Dr. Büttgen sollte der Fokus allerdings mehr auf dem beziehungsorientierten Führungsverhalten liegen, da dieses ausschließlich positive Wirkungen entfalte. Die aufgabenorientierte Führung könne die Leistung der Mitarbeitenden negativ beeinflussen, da sie die empfundene Autonomie einschränke. Das Forscherteam fand außerdem heraus, dass es digital ausgereiftere Unternehmen in Krisenzeiten besser gelinge, bei ihren Mitarbeitenden ein hohes Leistungsniveau abzurufen. Das Führungsverhalten spiele hierbei keine Rolle.
Das Institut für Arbeit & Personal (iap) der FOM Hochschule forschte ebenfalls im Bereich der virtuellen Führungsstrukturen. Das im Nachgang veröffentlichte Handbuch mit Handlungsempfehlungen solle insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen die Innovations- und Leistungsfähigkeit sowie die Gesundheit von Führungskräften und Beschäftigten fördern. Zeitkompetenz und Vertrauen spielen laut Studie eine zentrale Rolle.
- Pressemitteilung Universität Hohenheim
- Pressemitteilung FOM Hochschule
- Handbuch „Kompass – Zeit & Vertrauen“
- LIA.nrw: Homeoffice und besondere Herausforderungen