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Bescheinigung der Fachkunde
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Strahlenschutz

Bescheinigung der Fachkunde

Wegen des möglichen Auslösens kritischer biologischer Wirkungen (beispielsweise Krebs) kann die Nutzung ionisierender Strahlung (z. B. Röntgenstrahlung oder die Strahlenarten des radioaktiven Zerfalls) für den Menschen gefährlich sein. Aus diesem Grund müssen Personen, die mit dieser Strahlung umgehen, entsprechend qualifiziert sein oder von diesbezüglich qualifizierten Personen angeleitet und beaufsichtigt werden. Das gilt ganz besonders in der Medizin.

In der Medizin wird ionisierende Strahlung zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken am Menschen angewandt. Der gesundheitliche Nutzen für die Patientin oder den Patienten muss höher sein als ein durch die Strahlung induziertes Risiko.

Die Nutzung ionisierender Strahlung in der Medizin und außerhalb der Medizin darf nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde nach § 12 Abs. 1 in Verbindung mit dem § 13 Abs. 1 Satz 3 des Strahlenschutzgesetzes (StrlSchG) oder über ein bei ihr einzuleitendes Anzeigeverfahren nach § 19 Abs. 3 Nr. 5 StrlSchG erfolgen. Eine wesentliche Voraussetzung in diesem Zusammenhang ist die Benennung von Strahlenschutzbeauftragten (SSB) oder – sofern keine SSBs benannt werden – von entsprechend qualifizierten Strahlenschutzverantwortlichen (SSV). SSBs und qualifizierte SSVs müssen eine erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz nach § 47 der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) für den Betrieb von Röntgeneinrichtungen und genehmigungspflichtigen Störstrahlern bzw. für den Umgang mit radioaktiven Stoffen und den Betrieb von Beschleunigeranlagen aufweisen.

Muss die Fachkunde aktualisiert werden?

Ja. Die Fachkunde im Strahlenschutz ist nach § 48 der StrlSchV mindestens alle fünf Jahre durch eine erfolgreiche Teilnahme an einem von der zuständigen Stelle anerkannten Kurs oder einer anderen von der zuständigen Stelle als geeignet anerkannten Fortbildungsmaßnahme zu aktualisieren. Der zuständigen Behörde sind diese Teilnahmebescheinigungen zusammen mit der Bescheinigung der Fachkunde bzw. der Kenntnisse auf Anforderung vorzulegen.

Grundsätzlich ist bei dem Erwerb der Fachkunde zwischen der medizinischen und der technischer Anwendung ionisierender Strahlung zu unterscheiden. Das wird auch durch die Benennung der Richtlinien deutlich, nach denen die Fachkunde zu erwerben ist.

Die Erlangung Fachkunde im Strahlenschutz nach § 47 StrlSchV im technischen Bereich muss nach der „Richtlinie über die im Strahlenschutz erforderliche Fachkunde und Kenntnisse beim Betrieb von Röntgeneinrichtungen zur technischen Anwendung und genehmigungsbedürftigen Störstrahlern sowie über Anforderungen an die Qualifikation von behördlich bestimmten Sachverständigen“ und nach der „Fachkunde-Richtlinie Technik nach Strahlenschutzverordnung“ erfolgen.
Die Fachkunde im Strahlenschutz wird in der Regel durch eine für den jeweiligen Anwendungsbereich geeignete Ausbildung, praktische Erfahrung (Berufserfahrung) und durch erfolgreiche Teilnahme an von der zuständigen Stelle anerkannten Kursen erworben.

  • Die Ausbildung ist durch Zeugnisse zu belegen.
  • Die praktische Erfahrung durch Nachweise entsprechender Tätigkeiten in dem jeweiligen Gebiet (Anwendungsbereich) zu belegen.
  • Die erfolgreiche Kursteilnahme ist durch ein Zertifikat (Kursbescheinigung) des Veranstalters zu belegen. Dieses Zertifikat darf insgesamt nicht älter als fünf Jahre sein und gilt nicht als Fachkundenachweis.

  • Nach Eingang der Unterlagen wird die Fachkunde von der zuständigen Stelle geprüft und bei Vollständigkeit wir die Fachkunde bescheinigt. Ein Aktualisierungskurs ist nicht Gegenstand der Antragsprüfung.

    Vordruck für die Beantragung der Fachkunde im Strahlenschutz nach den Fachkunderichtlinien Technik

Nach § 131 Abs. 1 der StrlSchV ist im Rahmen von Behandlungen mit

  • radioaktiven Stoffen in der Nuklearmedizin (NUK) oder
  • ionisierender Strahlung in der Strahlentherapie (Teletherapie, Brachytherapie sowie Röntgentherapie), welche einen individuellen Bestrahlungsplan erfordern,

eine ausreichende Anzahl von fachkundigen MPE zur engen Mitarbeit bei der Festlegung des Bestrahlungsplans bzw. bei der Durchführung der Behandlung notwendig.


Ein MPE ist zur konsiliarischen Mitarbeit hinzuziehen, bei Untersuchungen

  • die mit offenen radioaktiven Stoffen oder ionisierender Strahlung (z. B. Computertomographen) durchgeführt werden,
  • an Geräten zur dreidimensionalen Bildgebung von Objekten mit niedrigem Objektkontrast (Ausnahme: Tomosynthese) oder
  • der Interventionsradiologie mit einer Durchleuchtungseinrichtung, bei der hohe Expositionen an Patientin oder Patient und Personal vorkommen können.

Die Fachkunde für MPE kann für folgende Anwendungsgebiete beantragt werden:

  • Teletherapie (Anlagen zur Erzeugung ionisierender Strahlung, Bestrahlungsvorrichtungen),
  • Brachytherapie (umschlossene radioaktive Stoffe, Afterloadingvorrichtungen),
  • NUK (Gesamtgebiet der Nuklearmedizin),
  • Röntgendiagnostik (Röntgeneinrichtungen in der Radiologie für diagnostische Untersuchungen),
  • Röntgentherapie (Röntgeneinrichtungen für therapeutische Anwendungen) sowie
  • Teilfachkunde (z. B. Protonentherapie und Fachkunde im Rahmen des Mammographie-Screenings) 

Die Erlangung der Fachkunde im Strahlenschutz nach § 47 StrlSchV für Medizinphysik-Experten (MPE) erfolgt nach der „Richtlinie Fachkunde und Kenntnisse im Strahlenschutz bei dem Betrieb von Röntgeneinrichtungen in der Medizin oder Zahnmedizin“ und nach der Richtlinie „Strahlenschutz in der Medizin“.

Der Erwerb der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz für MPE wird von der zuständigen Stelle geprüft und bescheinigt. Hierzu sind die folgenden Nachweise zu erbringen:

  • Nachweis über die geeignete Ausbildung:
    • Ein erfolgreich abgeschlossenes Masterstudium in „Medizinischer Physik“.
    • Absolventinnen und Absolventen anderer naturwissenschaftlich-technischer Masterstudiengänge müssen zusätzlich, zur Prüfung der Gleichwertigkeit, einen Nachweis über das äquivalente Qualifikationsniveau zum Masterstudiengang „Medizinische Physik“ nach Anlage A2 Nr. 3 der Richtlinie „Strahlenschutz in der Medizin“ erbringen. Anschließend erfolgt der Nachweis des erforderlichen Wissens für die Tätigkeit als Medizinphysikexperte in der Regel in einem Fachgespräch.

  • Kursbescheinigung:
    • Erfolgreiche Teilnahme an von der zuständigen Stelle anerkannten Kursen zum Erwerb der erforderlichen Fachkunde (Grundkurs und Spezialkurs für MPE) nach den o. g. Richtlinien.
    • Bei Beantragung der Fachkundebescheinigung darf das Zertifikat des Kursveranstalters über die erfolgreiche Teilnahme an einem Strahlenschutzkurs gemäß § 47 Abs. 1 Satz 3 StrlSchV nicht älter als fünf Jahre sein. Ein Aktualisierungskurs ist nicht Gegenstand der Antragsprüfung.

  • Nachweis der praktischen Erfahrung (Sachkunde):
    • Die Sachkunde ist nach den Vorgaben der Anlage 5 zur Richtlinie „Strahlenschutz in der Medizin“ nachzuweisen. Mit dem Sachkundezeugnis wird bescheinigt, dass die theoretischen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen bei der Anwendung radioaktiver Stoffe oder ionisierender Strahlung in der Praxis, unter Aufsicht und Verantwortung eines für das jeweilige Anwendungsgebiet fachkundigen MPE, vermittelt worden sind. Der Erwerb der Sachkunde bei der Anwendung am Menschen dauert mindestens 24 Monate und erfolgt grundsätzlich ganztägig. Für die Anerkennung der Sachkundezeiten sind nach der Richtlinie „Strahlenschutz in der Medizin“ mindestens 6 Monate Tätigkeit auf dem jeweiligen Anwendungsgebiet vorzuweisen. Die Mindestdauer von 24 Monaten gilt jedoch auch, wenn die Fachkunde nur für einen Teil der Anwendungsgebiete erworben wird.
    • Ein nach StrlSchV bereits fachkundiger MPE kann, durch Vorlage eines Sachkundezeugnisses über mindestens 6 Monate und einer gültigen Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme an einem entsprechenden Spezialkurs, die Fachkunde für ein weiteres Anwendungsgebiet erwerben.

Vordruck für die Beantragung der Fachkunde im Strahlenschutz für MPE