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Bescheinigung der Fachkunde
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Strahlenschutz

Bescheinigung der Fachkunde

Die Nutzung ionisierender Strahlung (z. B. Röntgenstrahlung oder die Strahlenarten des radioaktiven Zerfalls) kann für den Menschen wegen der möglichen Auslösung kritischer biologischer Wirkungen (beispielsweise Krebs) gefährlich sein. Aus diesem Grund müssen Personen, die mit dieser Strahlung umgehen, entsprechend qualifiziert sein oder von diesbezüglich qualifizierten Personen angeleitet und beaufsichtigt werden.

Die Nutzung ionisierender Strahlung (z. B. Röntgenstrahlung oder die Strahlenarten des radioaktiven Zerfalls) kann für den Menschen wegen der möglichen Auslösung kritischer biologischer Wirkungen (beispielsweise Krebs) gefährlich sein. Aus diesem Grund müssen Personen, die mit dieser Strahlung umgehen, entsprechend qualifiziert sein oder von diesbezüglich qualifizierten Personen angeleitet und beaufsichtigt werden. Das gilt ganz besonders in der Medizin, wo ionisierende Strahlung zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken am Menschen angewandt wird und wo man erwarten muss, dass der daraus resultierende gesundheitliche Nutzen für den Patienten höher ist als ein durch die Strahlen induziertes Risiko.

Sowohl bei Anwendung ionisierender Strahlung in der Medizin als auch im technischen Bereich verlangt ganz generell das so genannte ALARA-Prinzip (As low as reasonable achievable), die Strahlenexposition des Menschen unter Berücksichtigung gewisser Randbedingungen (wirtschaftliche Erwägungen, ausreichende Bildqualität) so gering wie möglich zu halten.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, darf die Nutzung ionisierender Strahlung in der Medizin und außerhalb derselben nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde oder über ein bei ihr einzuleitendes Anzeigeverfahren erfolgen. Eine wesentliche Voraussetzung in diesem Zusammenhang ist die Benennung von Strahlenschutzbeauftragten (SSB) oder - sofern keine SSBs benannt werden - von entsprechend qualifizierten Strahlenschutzverantwortlichen (SSV).

SSBs und qualifizierte SSVs müssen eine erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz für den Betrieb von Röntgeneinrichtungen und genehmigungspflichtigen Störstrahlern (RöV) bzw. für den Umgang mit radioaktiven Stoffen und den Betrieb von Beschleunigeranlagen (StrlSchV) aufweisen. Diese Fachkunde im Strahlenschutz gilt nur für einen Zeitraum von fünf Jahren und muss mindestens alle fünf Jahre aktualisiert werden.

Grundsätzlich ist zwischen der Fachkunde bei medizinischer und bei technischer Anwendung ionisierender Strahlung zu unterscheiden. Dies drückt sich auch in der Benennung der Richtlinien aus, nach denen die Fachkunde zu erwerben ist:

  • Fachkunde-Richtlinie Medizin nach RöV,
  • Richtlinie Strahlenschutz in der Medizin nach StrlSchV,
  • Fachkunde-Richtlinie Technik nach RöV,
  • Fachkunde-Richtlinie technik nach StrlSchV.

Neben den SSB und qualifizierten SSV müssen noch folgende Personengruppen Fachkunde im Strahlenschutz besitzen:

  • Ärzte, welche die rechtfertigende Indikation für die Anwendung von ionisierender Strahlung stellen,
  • Ärzte, welche ionisierende Strahlung eigenständig anwenden, beispielsweise befunden,
  • MTRA, die eigenständig die technische Durchführung ausüben.

Der Fachkundeerwerb für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte sowie für und MTRA wird von den zuständigen Stellen (in NRW und fast allen anderen Bundesländern: von den örtlich zuständigen Ärzte-, Zahnarzt- und Tierärztekammer) geprüft und bescheinigt. Weitere Einzelheiten zu diesen Verfahren können bei den jeweils zuständigen Kammern erfragt werden.

Erlangen der Fachkunde ausserhalb der Medizin.
In Nordrhein-Westfalen werden Bescheinigungen für den technischen (nichtmedizinischen) Bereich durch das LIA.nrw ausgestellt.

Die Fachkunde im Strahlenschutz wird in der Regel durch eine für den jeweiligen Anwendungsbereich (z. B. Materialprüfung mit Röntgenstrahlung) geeignete Ausbildung (z. B. Dipl.-Ing.), praktische Erfahrung ("Berufserfahrung") und durch erfolgreiche Teilnahme an anerkannten Kursen erworben. Die Ausbildung ist durch Zeugnisse, die praktische Erfahrung durch Nachweise entsprechender Tätigkeiten in dem jeweiligen Gebiet (Anwendungsbereich) und die erfolgreiche Kursteilnahme durch ein Zertifikat (Kursbescheinigung) des Veranstalters zu belegen. Dieses Zertifikat (Kursbescheinigung) gilt nicht als Fachkunde-Nachweis. Stattdessen ist eine Bescheinigung der zuständigen Stelle erforderlich, welche die genannten Unterlagen zum Erwerb der Fachkunde prüft und bei Vollständigkeit die Fachkundebescheinigung erteilt. Diese Bescheinigungen für den technischen (nichtmedizinischen) Bereich werden in NRW  durch das LIA.nrw ausgestellt.

Ein Medizin-Physikexperte ist ein in medizinischer Physik besonders ausgebildeter Diplom-Physiker (bzw. Master) mit der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz. Personen mit sonstigem naturwissenschaftlichen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss die als Medizin-Physikexperte anerkannt werden wollen, müssen nachweisen, dass sie eine inhaltlich gleichwertige Ausbildung erhalten haben. Dazu sind Nachweise über die Ausbildung, insbesondere des Nachweises über den Erwerb des theoretischen Wissens im Strahlenschutz und in medizinischer Physik, über gegebenenfalls zusätzliche Leistungen, die für die Befähigung zum Medizinphysik-Experten entscheidend sind, zu erbringen. Zusätzlich ist die Gleichwertigkeit der Ausbildung im Rahmen eines Fachgesprächs nachzuweisen.

Für die Durchführung dieses Fachgesprächs wurde eine Prüfungsordnung vom LIA.nrw erlassen. Für die Erteilung der Fachkunde ist weiterhin ein Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an einem Grund- und Spezialkurs im Strahlenschutz und eine mindestens 24 monatige Sachkunde erforderlich. Diese ist von einer Person, die selbst über die entsprechende Fachkunde verfügt, zu bescheinigen.

Grundlage für dieses Verfahren sind die Fachkunde-Richtlinie Medizin nach RöV und die Richtlinie Strahlenschutz in der Medizin nach StrlSchV.

Die Fachkunde im Strahlenschutz muss alle fünf Jahre durch erfolgreiche Teilnahme an einem anerkannten Kurs aktualisiert werden.


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